Pferde gehören zusammen mit uns Menschen zu den wenigen Lebewesen, die ihren Wärmehaushalt über das Schwitzen am gesamten Körper regulieren können.
Schwitzen als natürliches Signal: Wenn ein Pferd stark überhitzt wäre oder vor dem Kollaps stünde, wäre es am gesamten Körper klatschnass geschwitzt.
Die Realität im Fiakerdienst: Fiakerpferde schwitzen während ihrer Arbeit extrem wenig. Der Grund dafür ist einfach: Das ruhige Gehen im Schritt auf ebenen Straßen und das Ziehen einer modernen, leicht rollenden Kutsche stellt für ein gesundes, ausgebildetes Zugpferd kaum eine körperliche Belastung dar.
Was die Wissenschaft sagt: Untersuchungen der Veterinärmedizinischen Universität Wien zeigen, dass die Innere Körpertemperatur der Fiakerpferde selbst bei Sommertemperaturen zu über 99 % im absoluten Normbereich von 37,5 bis 38,0 °C liegt. Eine Überhitzung findet in der Praxis nicht statt. Zusätzlich sorgt das gesetzliche Hitzefrei ab 35,0 °C dafür, dass die Tiere bei extremer Sommerhitze im kühlen Stall bleiben.
Pferde in der freien Wildbahn sind Fluchttiere und zeigen Angst oder Stress sehr eindeutig über ihre Körpersprache und Mimik. Ein ängstliches Pferd erkennen Sie an folgenden Signalen:
Blick und Augen: Die Augen sind weit aufgerissen, die Pupillen geweitet und das Weiße im Auge (die Sklera) wird deutlich sichtbar.
Kopf- und Körperhaltung: Der Kopf wird ruckartig hochgerissen, der Hals ist stark angespannt und der gesamte Körper wirkt starr oder fluchtbereit.
Ohren und Nüstern: Die Ohren sind steif nach hinten oder hektisch hin und her gerichtet, die Nüstern sind weit gebläht und die Atmung ist stoßweise und stark erhöht.
Verhalten: Das Pferd tänzelt unruhig, drückt sich weg, scheut vor Objekten oder versucht aus der Situation auszubrechen.
Hinweis: Fiakerpferde sind domestizierte Haus- und Nutztiere. Es werden behördlich nur Pferde für den Dienst genehmigt, die aufgrund ihres Wesens und Trainings bestens dafür geeignet sind.
Im Alltag zeigen unsere Pferde das genaue Gegenteil von Angst:
Entspannte Mimik: Wissenschaftliche Messungen belegen, dass die Pferde an den Standplätzen zu 99,0 % entspannte Ohren und zu 88,5 % entspannte Lippen zeigen.
Positives Schnauben: Wenn Fiakerpferde Lautäußerungen von sich geben, handelt es sich zu 100 % um positives Schnauben – ein wissenschaftlich anerkanntes Signal für Zufriedenheit und Gelassenheit.
Gewöhnung und Vertrauen: Durch eine umfassende Ausbildung, erfahrene Kutscher und die ruhige Arbeit an der Seite ihres vertrauten Partnerpferdes bewegen sich die Tiere absolut entspannt und ohne Angst durch den Wiener Stadtverkehr.
Pflicht zu Kotauffangtaschen: Alle Kutschen sind gesetzlich mit speziell geprüften Kotauffangvorrichtungen („Kotbeuteln“) ausgestattet.
Saubere Straßen: Die Taschen sind so angebracht, dass sie feste Ausscheidungen direkt auffangen. Sie werden vom Kutscher am Ende jeder Fahrt fachgerecht entleert und gereinigt.
Strengste behördliche Überwachung: Die Kontrolle obliegt den Amtstierärzten der Stadt Wien (MA 60) sowie der Polizei und der MA 65.
Unangemeldete Inspektionen: Kontrollen finden jederzeit unangemeldet direkt in den Ställen sowie an den Standplätzen in der Innenstadt statt.
Lückenlose Rückverfolgbarkeit: Jedes Pferd ist mit einem ISO-Mikrochip gekennzeichnet. Zusätzlich wird ein amtliches Fahrtenbuch geführt, in dem Arbeitszeiten, Pausen, Fütterungen und freie Tage exakt dokumentiert werden.
Verdienter Ruhestand: Wenn ein Pferd das Alter für den aktiven Dienst erreicht hat oder nicht mehr fahren möchte, wird es keineswegs geschlachtet. Alle Wiener Fiakerpferde sind nicht zur Schlachtung freigegeben.
Seniorenresidenz oder Koppel: Viele Betriebe behalten ihre Pensionäre auf eigenen Koppeln und Weiden im Umland oder vermitteln sie in liebevolle Hände für einen ruhigen Lebensabend als Freizeitpferd.